Walserweg – Etappe 07

WalserwegEtappe 07 (Obermutten – Andeer)

Facts

Kumuliert

     

Länge:

15 km

91 km

Wanderzeit:

4H 15min

33H 50min

Anforderung:

mittel (Bergwanderweg)

 

Kondition:

schwer

 

Höhenmeter:

340m rauf
1200m runter

5920m rauf
6540m rauf

 

Der steile Aufstieg hat seinen Tribut gekostet: mein Knie hat sich in der Nacht bemerkbar gemacht. Aber heute Morgen scheint es wieder ok zu sein. Ich schaue der Sonne zu, wie sie sich hinter den Bergen hocharbeitet und das ganze Tal unter mir aus dem Schatten holt. Der Himmel ist wolkenlos und es scheint ein weiterer wunderschöner Tag zu werden. Die Eigentümer vom Pöstli haben das Gasthaus an Ostern übernommen. Im Dorf wird gemunkelt, dass sie besser mehr Doppelzimmer statt Massenlager hätte machen sollen und es im Dorf einen weiteren Hotelanbieter geben soll. Ob das Dorf zwei solche Gasthäuser verträgt?

Scheinbar habe es vor zwei Jahren einen mega Facebook Hype gegeben und Touristen kamen in Strömen. Aber das sei nun auch wieder vorbei. Ich perspönlich finde diesen Ort eine Oase in den Bergen und daher verlasse ich diesen Ort mit etwas wehmut. Gerne würde ich noch etwas bleiben und hier die Ruhe geniessen.

Nach einem stärkenden Frühstück mache ich mich nun auf nach Thusis. Das Höhenprofil und die Beschreibung lassen versprechen einen langen Abstieg. Da der Weg grösstenteils einer Forststrasse entlang geht, ist dieser nicht steil, aber auch nicht gerade berauschend. Weiter unten führen dann einige Passagen entlang senkrecht emporragenden Felsen, welche etwas Abwechslung in den langwierigen Abstieg bringen. Dann erreiche ich auch schon bald Reischen. In Reischen und Zillis beeindrucken mich die stattlichen und schön erhaltenen Wohnhäuser.

Nun der Weg verspricht ja noch einen Aufstieg von 340m, und da ich bisher praktisch nur abgestiegen bin, stehen mir diese Höhenmeter noch bevor. Das müsste nicht unbedingt noch sein. Lustlos mache ich mich an den Aufstieg Richtung Pignia, wo ich mir auch einen Saft gönne, denn Andeeer ist bereits in Sicht.

Schneller als gedacht komme ich schlussendlich in Andeer an und checke im Hotel Weisses Kreuz ein. Nach einer erfrischenden Dusche mache ich mich auf den Weg ins Aquandeer – dem Mineralbad hier im Ort. Sprudeln und Muskeln lockern im Whirlpool, die letzten Sonnenstrahlen im Wasser geniessen und einfach entspannen. Die Seele baumeln lassen. Leider ist das Wetter für Morgen noch etwas unsicher. Eigentlich sollte es heute Abend schon zu regnen beginnen. Aber davon ist das Wetter noch weit entfernt. Zum Glück kann ich mich hier spontan für eine weitere Nacht entscheiden, falls es Morgen tatsächlich Gewittern sollte. Als Option habe ich auch, dass ich bis Ausserferrera laufe und bei schlechter werdendem Wetter dann einfach dort aussteige. Aber nun wird zuerst mal z’Nacht gegessen und dann schauen wir morgen weiter.

Höhenprofil

Karte

   

Walserweg – Etappe 06

WalserwegEtappe 06 (Thusis – Obermutten)

Facts

Kumuliert

     

Länge:

11 km

76 km

Wanderzeit:

5H 25min

29H 35min

Anforderung:

mittel (Bergwanderweg)

 

Kondition:

schwer

 

Höhenmeter:

1500m rauf
320m runter

5580m rauf
5340m runter

Nach drei Tagen Wetter- und Unterkunftbedingter Zwangspause setze ich mich heute wieder in den Zug nach Thusis und lasse das in Nebel gehüllte Zürich hinter mir. Schon bei Sargans ist die Sonne ersichtlich – daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Zug voller Wanderer ist. Obwohl bei Thusis viele Leute austeigen, so bin ich doch bald alleine auf dem Weg. Und das bleibt so auch bis nach Obermutten. Gleich bei Sils geht es rauf, und das sollte sich die nächsten 4h auch nicht mehr ändern. Irgendwie müssen die 1500 Höhenmeter ja auf die 11km verteilt sein. Vorbei an der Burg Ehrenfels und Burg Hohenrätien geht der Weg bald in den Wald hinein und ziemlich steil hinauf. Obwohl ich schon ein paar hundert Höhenmeter hinter mir habe, so höre ich doch immer noch das Rauschen der Autos von der San-Bernardino Strasse. Doch nach einem schönen Platz, wo man das ganze Tal von Thusis bis weit nach Rhäzüns sieht, verschwindet das Geräusch und ich tauche wieder ein in eine wunderbare Stille. Dieser Weg ähnelt schwer dem vom Europaweg hoch in die Europahütte. Einfach nur steil. Aber so alleine unterwegs zu sein hat seinen Vorteil: man kann das Tempo selber bestimmen bzw. muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Auf der anderen Seite ist da niemand, der einem Motivieren kann. Es ist ein weiterer wunderbarer Herbsttag: Schönes Wetter, nicht zu kalt und nicht zu warm. Der Weg liegt zwar grösstenteils im Schatten, jedoch bin ich noch froh darum, denn ich schwitze so schon genug und habe auch so genügend warm. Der Fichten-/Lärchen-Wald ist teilweise so dicht, dass es schon fast wieder dunkel ist. Umso mehr bin ich froh, als ich dann endlich nach gut 1000 Höhenmeter wieder mal Sonnenstrahlen sehe. Ich komme auf die Anhöhe “Crocs” auf 1574müM. Hier mache ich Pause, lege mich einfach in die Wiese und lasse meine Haut von der Sonne wärmen und döse einfach etwas weg.

Heute bin ich irgendwie nicht ganz so fit. Schon nach weiteren 200 Höhenmeter habe ich das Gefühl von weichen Knien und Beinen – und das obwohl ich einen leichteren Rucksack dabei habe. Ich verzehre den Rest der erst heute Morgen gekauften Ovi-Schoggi, in der Hoffnung, dass mich der Zuckerschub etwas den Berg hinaufkatapultiert. Mit Ovi kann man es ja bekanntlich nicht besser, dafür länger. Aber lange hat diese Schokolade echt nicht überlebt – und nun ist sie alle. Es wird Zeit, dass ich endlich oben ankomme!

Bei ca. 1700 komme ich dann endlich aus dem Wald und kann mal die Beine entlasten, da es noch etwas leicht runter geht, bevor ich die restlichen 150m machen muss. Der Weg führt nun über eine wunderschöne Alp an der Muttener Höhi vorbei. Nach ca. 2h völliger Ruhe erklingen wieder erste Töne von Zivilisation. In der Ferne hört man die Kettensägen der Forstarbeiter. Kurz nachdem ich den höchsten Punkt (1936müM) passiert habe, taucht auch schon Obermutten vor meinen Augen auf. Ein kleines Dorf mit wallischem Einfluss, den man gut sieht. Ein sehr schön gepflegtes Dörfli – der schöne Anblick lässt den steilen Aufstieg schnell vergessen – hier gefällt es mir! Schon bald ist das “Pöschtli” gefunden und ich geniesse zuerst den obligatorischen Möhl-Saft und ein Stück Schokoladen-Nuss-Kuchen auf der Sonnenterasse. Bei mir kommen immer wieder Glücksgefühle hoch, wenn man nach einer anstrengenden Wanderung an einen schönen Ort kommt, wo man mit selbstgemachten Kuchen etc. verwöhnt wird. So, jetzt geht es mir wieder besser. Auch hier ist die Gastfreundschaft überdurchschnittlich – ich werde herzhaft empfangen und kulinarisch verwöhnt. So freue ich mich bereits jetzt schon auf eine erholsame Nacht und das hoffentlich auch gute Frühstück.

Während sich die gegenüberliegenden Berge langsam rot verfärben und die Nacht einläuten, verzehre ich eine hammer Rösti mit Alpkäse von hier überbacken. Unten im Tal werden erleuchten die Lampen und es wird schnell dunkel. Hier oben ist es ruhig und ich geniesse das gerade in vollen Zügen – weit weg von all der Hektik. Hach…. Leider werde ich morgen hier weiter gehen müssen. Aber ich weiss jetzt schon, dass ich diesen Platz hier nicht so schnell vergessen werde.

Morgen geht es wieder nach Andeer runter – all die Höhenmeter wieder runter. In Andeer winkt ein schönes Thermalbad, das Entspannung verspricht. Da bin ich ja mal gespannt.

 

Höhenprofil

Karte