Walserweg – Etappe 03 (Vals – Turrahus)
| Facts | Kumuliert | |
| Länge: | 13 km | 38 km |
| Wanderzeit: | 5H 30min | 15H 00min |
| Anforderung: | mittel (Bergwanderweg) | |
| Kondition: | schwer | |
| Höhenmeter: | 1250m rauf 820m runter |
2940m rauf 2840m runter |
Ich bin mir bewusst, dass ich hier gerade puren Luxus erlebe.Es ist nicht selbstverständlich, dass man so viel Zeit für sich beanspruchen und alleine durch die Berge wandern kann. Aber es tut gut, die Seele baumeln zu lassen und seinen Gedanken nachgehen zu können.
Von unserem Balkon aus haben wir eine schöne Sicht auf Vals und der Morgen beschert uns eine schöne Sicht auf die gegenüberliegenden Bergspitzen, welche gerade von der Sonne eingefärbt werden, während das Tal noch im Dunklen liegt. Ich spüre die Beine noch von den ersten beiden Tagen – aber daran darf ich jetzt nicht denken, denn sonst werde ich die nächsten gut 6h leiden. Wir stärken uns zuerst einmal mit einem guten Frühstück. Die Wünsche werden uns sprichwörtlich von den Augen abgelesen. Sogar den Lunch dürfen wir vom Frühstücksbuffet machen.
So schön es war und so gerne ich noch etwas geblieben wäre, um nochmals baden gehen zu können, alles hat ein Ende und wir machen uns bei schönstem Wetter bzw. besten Wanderkonditionen auf den Weg. Dass die ersten 600 Höhenmeter mit dem Alpentaxi zurückgelegt hätten werden können, erfahren wir später von Eva und Brigitte, welche sich diesen Luxus geleistet haben. Es geht echt steil bergauf, aber oben angekommen, erwartet uns die wunderschöne Hochebene “Riedboda”. Auf der Alp “Tomül” stärken wir uns, bevor wir den Rest des Tomülpass angehen.
Man merkt, dass heute Samstag ist, denn es hat bedeutend mehr Wanderer unterwegs. Aber trotzdem ist man viel alleine und für sich unterwegs. Und so kommen wir auch bald oben auf dem Tomülpass (2412müM) an. Nun beginnt der gut 800m Abstieg zum Gasthaus Thurahus. Dort angekommen bestellen wir zuerst den traditionellen Möhl Saft. Da wir früh angekommen sind, können wir die Restsonne am Nachmittag bis zum letzten Strahl auf der Terasse geniessen. Während wir die Sonne geniessen, geseelt sich ein Postautofahrer zu uns an den Tisch, der nun eine halbe Stunde Pause hat, bis er wieder zurück fahren muss. Schnell kommen wir miteinander ins Gespräch. Wir erfahren so vieles über die Herausforderungen als Postautofahrer hier in der Region, wie schwierig es ist, hier gute Arbeit zu finden etc. Es ist gar nicht möglich, von hier hinten mit ÖV nach Chur oder so arbeiten zu gehen, da es zu wenig Verbindungen gibt. Auch erfahren wir, dass die Postautokurse von einem privaten Unternehmen im Auftrag der Post durchgeführt werden und dass die Mitarbeiter entsprechend privat schlechter gestellt sind als diejenigen, welche direkt bei der Post angestellt sind. Das hatte ich bisher nicht gewusst, dass es solche Konstrukte gibt. Warum das wohl für die Post interessant ist?
Gemütlich vergeht die Zeit, aber der Hunger wird nicht kleiner und entsprechend ungeduldig werden wir, bis es endlich heisst: Zu Tisch bitte.
Uns erwartet eine grosse Portion, welche auch Petras Hunger überfordert. Ich glaube, dass heute Abend niemand mit Hunger ins Bett gehen wird. Meine Wegbegleiter Eva und Brigitte essen auch bei uns am Tisch und wir plaudern mal wieder über Gott und die Welt. Später gesellen sich noch Rolf und seine Partnerin zu uns an den Tisch – sie sind von Sufers her gekommen – statt den 5:30 haben sie über 8h gebraucht und über die falschen Zeitangaben auf den Wandertafeln gewettert. Also Frage in die Runde: soll man die Zeitangaben an der Kondition gewisser Leute anpassen? 😉
Soviel Sonne und wandern macht müde – und schön ist es ja, dass man in solchen Hütten oder Gasthäuser ja nichts mehr zu tun hat und man ohne schlechtes Gewissen früh ins Bett gehen kann. Schliesslich muss man am nächsten Morgen wieder früh raus und fit sein. Aber Alter schützt vor Torheit nicht, denn eine ältere Männergruppe feiert noch tief in die Nacht hinein, was die wohl am Sonntag machen werden. Zum Glück haben wir ein Einzelzimmer und müssen nicht im vollen Massenschlag übernachten. So können wir trotz des Lärms aus der Gaststube unter uns wegdösen und von Steinböcken und Murmeli träumen.
| Höhenprofil | Karte |
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