Walserweg – Etappe 05 (Safien Platz – Thusis)
| Facts | Kumuliert | |
| Länge: | 16 km | 65 km |
| Wanderzeit: | 5H 50min | 24H 10min |
| Anforderung: | mittel (Bergwanderweg) | |
| Kondition: | mittel | |
| Höhenmeter: | 800m rauf 1400m runter |
4080m rauf 5020m runter |
Heute steht eine längere Strecke an – daher stehe ich früh auf. Jedoch bin ich nicht der Erste am Frühstückstisch, meine zwei Wegbegleiterinnen sind schon fleissig am spachteln. Draussen ist es noch dunkel, doch es soll auch heute ein wunderschöner Tag werden. Für Eva und Brigitte ist es die letzte Etappe, dann geht es für sie wieder nach Hause.
Gemütlich vorbei am Ausgleichsbecken, geht es über eine Brücke zur “d Stägä” durch Fels und Waldpartien hinauf auf den Glaspass. Ein kurzer und steiler Anstieg – und das gleich am Morgen. Zum Glück sehe ich noch nicht alles. Auf der gegenüberliegenden Seite wird das Safiental von der Sonne langsam geweckt. Die Hänge erscheinen von Minute zu Minute mehr im Sonnenlicht – und der Himmel wird blauer und blauer. Nichts desto trotz muss ich hier rauf.
Dieser Weg war für die Safier während langer Zeit ein wichtiger und einziger Verbindungsweg zum Karktort Thusis. Immer wieder rufe ich mir Petras Worte ins Gedächnis: Stetiger Schritt bezwingt den Berg. Und so bringe ich auch die 550 Höhenmeter bald hinter mich. Von hier geht es nur noch ein paar Meter zum Glaspass hoch und dann eigentlich nur noch runter nach Thusis. Obwohl ich eigentlich ja lieber hoch laufe als runter.
In Inner Glas mache ich kurz Pause und geniesse den Morgen und die Aussicht. Ich bin früh dran und kann mir Zeit lassen. Daher entscheide ich mich dann auf dem Glaspass auch ins Gasthaus Beverin einzukehren, gemütlich einen Kaffee und eine Nussstange zu geniessen. Unterdessen steht die Sonne schon hoch und wärmt mein Gesicht. Hach, es ist schon schön, wenn man einfach so sein und geniessen kann.
Hier komme ich unter anderem auch ins Gespräch mit zwei pensionierten Frauen von Winterthur, welche den Tag geniessen, um auf den Glaspass-Grat zu laufen. Spannend war auch die Begegnung später mit Köbi, einem GKB Filialleiter in Andeer. Er interessiert sich sehr für den Walserweg, da er diesen nicht kennt. Und so kommen wir ins plaudern und die Zeit vergeht. Wahrscheinlich habe ich so etwa 2h im Restaurant auf der Sonnenterasse verbracht. Von ihm erfahre ich so einiges von der Umgebung, wie starkt die Zweitwohungsinitiative dem Tal bzw. dem Baugewerbe zugesetzt hat, es aber auch seine Richtigkeit hat, dass dies angenommen wurde. Auch kennt er die Leute von Hinterrhein und meinte, dass Johann eben im Winter auch Fondue und Raclette in seinem Keller anbietet. Er wollte das schon lange mal machen, sei aber noch nie dazu gekommen. So beginnen wir auch ein wenig zu philosophieren, wie wichtig es ist, dass man sich Zeit nimmt für gewisse Sachen und diese nicht ewig vor sich hin schieben sollte. Wärhend unserem Gespräch wird mir auch mal wieder bewusst, wie viel man eigentlich im Leben braucht, um zufrieden sein zu können. Es sind nicht all die teuren und schönen Sachen, sondern diese Momente. Alles was ich brauche befindet sich in meinem Rucksack, und es hat noch zu viel Balast darin, den ich herumtrage. Ich bin letztes Jahr 6 Monate nur mit dem Rucksack durch Südamerika gereist und hatte immer alles was ich brauchte, bei mir. Warum ist man dazu geneigt, so viel Balast anzueignen, welcher uns dann unflexibel macht, der uns daran hindert, mal etwas zu riskieren? Es sind nicht die vielen Sachen / Gadgets die mich langfristig zufrieden machen sonder eben solche Begegnungen und Momente, die mich erfüllen. Dazu braucht man Zeit und das ist Luxus, dessen werde ich mir je länger je mehr sehr bewusst.
Ich habe seit meiner Reise letztes Jahr viel Balast abgeworfen, bin mir aber bewusst, dass ich immer noch viel damit herumtrage – entsprechend habe ich noch Optimierungspotential 🙂
Ich finde es sehr spannend, mit all diesen unterschiedlichen Leuten ins Gespräch zu kommen. So interessant dies auch ist, leider muss ich dann irgendwann weiter, da noch eine gut Strecke vor mir liegt.
Ursprünglich hatte ich mal vor, Tschappina auf den Bus zu gehen, falls die Strecke dann “langweilig” wird, da ich es aber bevorzuge, den Tag im freien statt in einer Büchse auf vier Rädern zu verbringen, entscheide ich mich, bis nach Thusis zu laufen. Da ich so lange im Gasthaus Beverin verweilt habe, treffe ich unterwegs nochmals Eva und Brigitte, welche sehr erstaunt sind, dass ich auf einmal hinter ihnen war.
Der Weg vom Glaspass nach Tschappina geht durch schöne Weiden und dann lange einer Forststrasse entlang durch den Wald. Die Ruhe hier ist Balsam pur für die Seele. Obwohl ich schon vier Tage in den Beine habe, fühlt sich mein Schritt leichtfüssig und beschwingt an und ich komme gut voran. Nach Tschappina ist der Weg zwar nicht mehr so spektakulär, jedoch fühlt es sich gut an, wie die Sonne die Haut wärmt. Und so komme ich dann auch nach gut 4:45h reiner Laufzeit in Thusis an, wo ich aufgrund des angesagten Regens eine Pause in meinem Weg einlegen werde.
| Höhenprofil | Karte |
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